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Atmung als Psychohygiene

Mai 17, 2022

Seit über vier Jahren ist Beat Brun zertifizierter WHM-Instruktor, einer Gesundheitsmethode des Holländers Wim Hof, die sich unter anderem mit der Atmung beschäftigt. Weshalb unbewusstes Atmen ein Burnout begünstigen kann, wie die Atmung unsere Gesundheit beeinflusst und weshalb das Thema den Zeitgeist trifft, erzählt der Zürcher Unternehmer im Interview.

Atmung und Psyche – Interview

Herr Brun, man sagt, dass ein Grossteil der Bevölkerung schon grundlegend falsch atmet. Wie atmet man denn „richtig“, was is richtig atmen lernen und was sollte man im Alltag beachten?

Viele Menschen atmen nicht grundlegend falsch, sondern sehr unbewusst. Dadurch ist die Anfälligkeit für Fehler relativ hoch, weil man keinen Fokus darauf legt. So kann man sich ungesunde Muster aneignen, wie zum Beispiel Stressatmen, der Auslöser dafür kann zum Beispiel die Nervosität vor einer Präsentation sein, oder auch einfach nur eine E-Mail, die aufwühlt. Man gerät in einen Stressmodus, obwohl man sich körperlich nicht bewegt. Wie auch der Herzschlag und die Verdauung, ist auch die Atmung Teil des autonomen Nervensystems. Alle Organfunktionen hängen damit zusammen. Wenn man in einer Stressatmung ist, ist die Verdauung reduziert, was zu Verdauungsproblemen führen, und sogar die Gefahr für ein Burnout verstärken kann, wenn man den Körper nicht in eine Ruhephase bringt.

Das heisst, sogar die Hormonausschüttung wird durch das Atmen beeinflusst?

Genau. Einfaches Beispiel: Wenn wir die Atemfrequenz erhöhen, wird über die Nebennieren Adrenalin ausgeschüttet, was den Herzschlag erhöht. So kommt mehr sauerstoffreiches Blut in den Kreislauf, was die Leistungsfähigkeit erhöht. Sobald man ruhig atmet, fährt der Körper die Stresshormone runter. Was auch richtig ist.

atmung und psyche

Sie sind seit Jahren zertifizierter WHM-Instruktur. Die Wim-Hof-Methode bietet eine super Möglichkeit, bewusster zu Atmen. Zu dieser Methode gehört aber noch mehr dazu als richtig atmen lernen. Was genau steckt dahinter?

Es ist eine Gesundheitsmethode des Holländers Wim Hof mit den Zielen: „happy“, „strong“ und „healthy“ zu leben. Wichtig zu wissen ist, dass alles was man dazu braucht, schon in seinem Körper steckt. Man braucht keine Pillen oder sonstige wilde Sachen. Neben der Säule „Atmung“ gibt es die Säulenkälte Exposition und Mindset.

Die graduelle, ungezwungene Kälteexposition kann man sich als natürliche Trainingskammer für den Umgang mit Stresssituationen vorstellen. Durch den Temperaturunterschied muss der Körper reagieren. Über die Atmung hat man die Möglichkeit, den Stress zu kontrollieren. Zusätzlich wird das Immunsystem aktiviert.

Die dritte Säule ist «Mindset». Das, was zwischen den Ohren passiert ist, entscheidend dafür, was sich im Körper manifestiert. Kunden, die bei mir zweifeln und unsicher sind, werden es auch nicht lange im Eiswasser aushalten. Diesen Unterschied macht das Mindset. Dahin, wo ich meinen Fokus lege, da zieht auch der Körper mit.

Also fungiert das Mindset als Bindeglied zu den anderen Säulen und ist eine Grundvoraussetzung?

Kann man so sagen. Das Mindset verknüpft alle Elemente. Depressionen haben sehr oft mit Gedankenmuster zu tun, die im Kopf ablaufen. Man kann seine Gedanken disziplinieren, beruhigen, oder mindestens beobachten. Ursprünglich bin ich aus diesem Grund zur Wim-Hof-Methode gekommen. Anfang meiner Zwanziger, war ich wegen Niedergestimmtheit in psychologischer Behandlung. Ich wurde mir bewusst, dass sehr vieles damit zu tun hat, wie wir unsere Umwelt in unserem Kopf verarbeiten. Je mehr wir destruktive Gedankenmuster haben, desto mehr sehen wir diese immer wieder und werden vom Umfeld bestätigt. Die Wim-Hof-Methode kann eine gewisse Ruhe und Zufriedenheit, ins Leben bringen.

Seit einigen Jahren boomt das Thema Atmung. Gibt es einen psychologischen Zusammenhang mit der aktuellen Welt lage, mit Corona und der Kriegssituation?

Es passt extrem gut in den momentanen Zeitgeist. Vielen Menschen haben alles, was sie brauchen und trotzdem gibt es eine innere Leere, die sie empfinden. Natürlich ist es für viele in der jetzigen Zeit auch eine Stressbewältigung. Der Kopf hat viele Fähigkeiten, wofür man ihn nutzen sollten. Aber manchmal muss man ihn auch ruhen lassen.

atemübungen gegen stress

Wer sind Ihre Kunden und mit welchem Ziel kommen sie zu Ihnen?

Es gibt ein grosses Spektrum und jede Kundengruppe hat eine eigene Motivation. Kunden, die meinen Workshop als Geschenk bekommen haben, sind nicht meine Hauptzielgruppe (lacht). Ein grosser Teil sind so wie ich früher. Sie wollen sich neu finden und neu einordnen. Man strebt Wohlbefinden und geistige Klarheit an. Es gibt auch viele, die ein gesundheitliches Problem haben und mit der klassischen Medizin nicht ans Ziel gekommen sind.

Welches Erlebnis als Wim-Hof-Instruktor war für Sie prägend?

Grundsätzlich finde ich es spannend, welche Leute sich für die Wim-Hof-Methode interessieren. Ich habe in den letzten vier Jahren ein Netzwerk von interessanten Menschen aufgebaut, die selbst «outside the box» denken und agieren.

Ich finde es auch immer wieder schön zu sehen, dass es funktioniert. Jeder Workshop mit jeder Gruppe ist am Schluss emotional, mit Umarmungen. Wo hat man das sonst heute noch?

Auch Einzelfälle von Kunden, die über wenige Jahre ihren ganzen Lebensentwurf verändern, sind eindrücklich.

Was empfehlen Sie Menschen generell im Alltag?

Es geht vor allem darum, bewusster zu atmen und leben. Atmung ist eine Möglichkeit, sich selbst zu beobachten und sich mit Stressregulierung auseinanderzusetzen. Klar, es ist wichtig im Alltag zu funktionieren, aber man muss auch zu sich selbst schauen und den Zugang zum eigenen Herzen finden.

Interview, Text, Foto und Design:
Dominic Kallen

Lesen Sie auch einen Beitrag über den natürlichen Stressabbau im Alltag.

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